Die Oberligamannschaft der SG VTB/Altjührden besiegt am Samstagabend die HSG Delmenhorst mit 31:29 (13:16). Vor 335 Zuschauer waren für die Vareler Jan-Derk Janßen mit 6 Treffern und für die Gäste Tim Coors mit 10 Treffern die erfolgreichsten Werfer.

Die Gäste aus Delmenhorst klagen schon seit Wochen über großes Verletzungspech. Das die Mannschaft von Trainer Jörg Rademacher immer noch über eine Menge Qualität verfügt, stellten sie in Altjührden unter Beweis. In der Abwehr wartete die ehemalige Vareler Coach mit einer extrem offenen 4:2 Deckung auf, bei der zwei Vareler Rückraumspieler teilweise sogar kurz hinter der Mittellinie gedeckt worden. Und im Angriff brachten die Gäste mit druckvollem Spiel ihren Rückraum immer wieder in gute Wurfpositionen und führten das Spiel bis weit in die 2. Halbzeit an. So entwickelte sich von Beginn an ein munteres Spiel. Wer befürchtete, dass im Spiel der Statistik nach besten Abwehrreihen der Liga, Tore Mangelware werden, sah sich getäuscht. Es entwickelte sich von Beginn an ein interessantes und intensives Handballspiel. Delmenhorst legte vor, Altjührden glich aus. So ging es bis zum 10:9 für die Gäste nach 20 Minuten. Angetrieben vom ehemaligen Vareler Bundesligaspieler Tim Coors, der über die komplette Spielzeit von der Vareler Deckung nur selten zu stoppen war, startete die HSG dann ihre stärkste Phase. Innerhalb sechseinhalb Minuten enteilten sie ihren Gastgebern bis auf 15:11. Neben der starken Angriffsleitung profitierten sie auch davon, dass Altjührden zu fahrlässig mit seinen Chancen umging. Zahlreiche sogenannte Hundertprozentige wurden teilweise leichtfertig vergeben. Delmenhorst hatte sogar die Chance auf 5 Tore davon zu ziehen, aber Jonas Rhode konnte nach einem abgefangen Ball kurz vor der Halbzeit noch auf 13:16 verkürzen und sorgte dafür, dass die Männer von Patrice Giron doch mit einem positiven Abschluss in die Kabine gingen. „Ich ärgere mich etwas über die Herangehensweise meiner Spieler. Wir haben die letzten beiden Spiele wirklich stark gespielt. Doch dann hörst Du von der Heimniederlage von Delmenhorst, liest die ganze Woche wieviele Verletzte sie haben und sie angeblich kaum trainieren können und dann kommen sie auch noch mit dieser ungewöhnlichen Abwehrformation, da kommt mir schon das Gefühl, dass einige unbewusst mit nur 80% ins Spiel gehen. Aber das geht einfach nicht. Dafür hat Delmenhorst immer noch genug Qualität. In der Abwehr hat uns einfach der Zugriff gefehlt“, war Giron mit der Leistung seiner Männer in Halbzeit Eins nicht zufrieden. Wie dicht Licht und Schatten manchmal beieinander liegen, zeigten die ersten 40 Sekunden im zweiten Durchgang. Erst rutschte Delmenhorsts Keeper Kai Ebeling ein durchaus haltbarer Rückraumwurf von Renke Bitter über die Schulter, um nur 20 Sekunden später wieder von Bitter einen Tempogegenstoß zu entschärfen. Damit verpassten die Hausherren wieder früh den Anschluss herzustellen. Delmenhorst nutzte dagegen Varels teils klägliche Chancenverwertung und erhöhte wieder auf 18:14. „Wir waren teilweise viel zu lässig beim Torabschluss. Wir verwerfen wieder zwei 7-Meter, Tempogegenstöße und weitere freie Bälle. Dadurch bringen wir uns selber in Bedrängnis“, bemängelte Giron. Doch Altjührden schaffte es, im letzten Drittel des Spiel zu ihrer gewohnten Abwehrstärke zu finden. Sie attackierten den starke Rückraum früher und erzwangen schwere Abschlüsse. Ein weiterer Baustein war die Rückwechslung im Tor, nachdem Finn Schwagereit nicht gut ins Spiel kam und auch Lennart Suttner kaum eine Hand an den Ball bekam, lief Schwagereit in den letzten 20 Minuten zur Hochform auf. Lediglich 3 Gegentore ließen die Gastgeber zwischen der 40. und 50. Minute zu und in dieser Phase war es dem überragenden Spieler auf dem Feld Tim Corrs zu verdanken, dass die Gäste noch in Sichtweise waren. Alle drei Treffer gingen auf sein Konto. Gestärkt durch Schwagereits Paraden und unterstützt von den langsam schwindenden Kräften der Delmenhorster, die sichtbar ihrer offensiven extrem laufintensiven Abwehr Tribut zollen mussten, drehte Altjührden das Spiel und ging zehneinhalb Minuten vor Schluss mit 25:24 durch Kevin Langer erstmalig in Führung. Kurz darauf sorgte Louis Kamp mit einem sehenswertem Treffer zum 27:25 sogar für die 2-Tore-Führung. Doch zwei Zeitstrafen innerhalb 90 Sekunden für die Gastgeber brachte Delmenhorst zurück ins Spiel. Sieben Minuten vor Schluss war der Spielstand beim 27:27 wieder ausgeglichen. Varel ging wieder in Führung, Delmenhorst glich wieder aus. Das Spiel stand Spitz auf Knopf und Kleinigkeiten würden das Spiel entscheiden. Und so eine Kleinigkeit passierte 180 Sekunden vor Schluss. Tim Coors stieß Kai Schildknecht bei einer Abwehraktion so ungeschickt, dass die beiden Schiedsrichter ihn für 2 Minuten vom Feld schickten. Zweimal Jonas Rohde und einmal der treffsicherste Vareler Jan-Derk Janßen nutzten den entstandenen Platz zum 31:28, wogegen den Gästen ohne Coors im Angriff die Durchschlagskraft fehlte. Dem zurückgekehrten Coors gelang nur noch 3 Sekunden vor Schluss Ergebniskosmetik. Beim Abpfiff bildeten die Spieler der SG VTB/Altjührden eine Jubeltraube und feierten mit der stimmungsvollen Halle den nächsten Erfolg gegen ein Spitzenteam aus der Liga. „Am Ende haben wir den Kopf aus der Schlinge gezogen. Finn hält ein paar Mal sensationell und wir nutzen dann konsequent unsere Chancen“, analysiert Giron nach dem Spiel. Mit dem Sieg klettert die SG VTB/Altjührden in der Tabelle auf Platz 4 und steht damit mitten im dichtgestaffelten Spitzenfeld der Liga. Nächster Gegner ist am Samstag, 13.11. um 19:30 Uhr bei der TSG Hatten-Sandkrug.

SG VTB/Altjührden: Schwagereit, Suttner; Steusolff, Schildknecht 5, Zindler 1, Kalafut 4/2, Langer 4, Janßen 6, Prikryl, Thünemann, Straten 2/2, Bitter 3, Kamp 2, Rohde 4

HSG Delmenhorst: Ebeling, Schröder, Gaertner; Witt 1,, Brauner, Coors 10, Oetken 5/1, Hermann 5, Sam Ramin 2, Stadtshoolte, Reiser 5/1, Soheil Ramin, Schröder, Windels 1